VLB Bayern Schularten

Wirtschaftsschulen

Sicherung und Ausbau der Bayerischen Wirtschaftsschulen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

nach dem Ausscheiden unseres bisherigen Referenten für die Wirtschaftsschulen und inzwischen zum Ehrenmitglied ernannten Randolf John, wurde ich auf dem Bildungskongress in Regensburg 2025 als Nachfolger für dieses Amt gewählt.

Ich bin 1970 geboren und habe nach dem Abitur am Gymnasium in der oberfränkischen Porzell- und Heimatstadt Selb, der anschließenden Berufsausbildung zum Industriekaufmann sowie dem Wehrdienst, an der FAU in Nürnberg Wirtschaftswissenschaften mit Zweitfach Geografie studiert.

Der zweite Ausbildungsabschnitt führte mich zunächst an die kaufmännische Berufsschule B6 nach Nürnberg, dann an die Städtische Wirtschaftsschule Schwabach und im Zweigschuleinsatz an die Staatliche Wirtschaftsschule in Hof, an der ich auch in den acht Folgejahren als ausgebildete Lehrkraft unterrichtete. Im April 2007 wechselte ich nach vorher zweijähriger Teilabordnung als Referent an die Regierung von Oberfranken und war u.a. auch für die Wirtschaftsschulen im Regierungsbezirk zuständig. Zum Schuljahr 2012/2013 übernahm ich am Beruflichen Schulzentrum Marktredwitz-Wunsiedel die Fachbetreuung für Wirtschaft, ehe mir im Februar 2013 die Schulleitung der Staatlichen Wirtschaftsschule Eschenbach i.d.OPf. übertragen wurde. Im Februar 2025 wurde ich zusätzlich zum Schulleiter der Staatlichen Wirtschaftsschule Weiden i.d.OPf. ernannt und die beiden Wirtschaftsschulen wurden im Anschluss zum Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Weiden II zusammengeführt. Mit zunächst über 700 Lernenden konnten wir im Endausbau insgesamt 12 gebundene Ganztagesklassen sowie sechs Flüchtlingsklassen beschulen, um den gesellschaftlichen Anforderungen nachzukommen.

Die Corona-Krise führte mich dann im April 2021 in zweifacher Hinsicht „back to theroots“. 
Mit der Übernahme des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums Hof II mit der FOSBOS Hof sowie der Wirtschaftsschule Hof, kehrte ich nicht nur in meine Heimat zurück, sondern zusätzlich auch an die Schule meines Zweigschuleinsatzes als Referendar.

Im neuen Verantwortungsbereich konnten wir nicht nur die 5. Jahrgangsstufe im Modellversuch einführen, sondern auch die erweiterte Schulleitung. Außerdem feierten wir unser 75-jähriges Bestehen und hatten als Partnerschule für Verbraucherbildung unseren Staatsminister MdL Glauber zu Gast. Aktuell beteiligen wir uns am Modellversuch der Kooperation WS mit der FOSBOS, was im BSZ Hof II natürlich naheliegend ist. Den Reformprozess „Wirtschaftsschule.weiter.gedacht“ setzt die Wirtschaftsschule Hof mit engagierten Kolleginnen und Kollegen vollumfänglich um, so dass wir aktuell alle Basismodule in den Vorabschlussklassen zur freien Schülerauswahl anbieten. 
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch, dass ich seit 2016 den Entwicklungsprozess der Wirtschaftsschulen in unterschiedlichen Gremien und Projektgruppen des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus begleiten darf.

Neben einer langjährigen Mitgliedschaft im VLB war ich die letzten Jahre auch in der Fachgruppe FOSBOS aktiv, die ich dann Anfang 2026 mit der Übernahme der neuen Aufgabe schweren Herzens verlassen werde.  

Ich freue mich darauf, meine neue Funktion im VLB mit meinen bisherigenErfahrungen im Bereich der Wirtschaftsschulen wahrzunehmen und die drei großen Bereiche weiter mitgestalten zu dürfen:

  1.  „Wirtschaftsschule.weiter.gedacht“,
  2. „Schulversuch 5. Jahrgangsstufe“ und
  3. „Kooperation Wirtschaftsschule – Berufsschule/Berufsfachschule/Berufliche Oberschule“.

Es ist mir dabei ein besonderes Anliegen, die Besonderheit der Wirtschaftsschule als Berufliche Schule in der Schullandschaft weiter herauszustellen und den Übergang in die Ausbildung oder an die Berufliche Oberschule zu stärken, um die Schulart noch stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern. So wird es uns gelingen, die Schulart Wirtschaftsschule dauerhaft zu sichern und hinsichtlich der Schülerzahlen sowie des inhaltlichen Angebotes weiter auszubauen.

Liebe VLB-Mitglieder, ich lade Sie alle herzlich ein, mit Anliegen der Wirtschaftsschule mit mir ins Gespräch zu kommen, um unsere Interessen entsprechend zu vertreten.

Ich freue mich auf den Dialog und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihnen allen!

Ihr Tomas Reitmeier
VLB-Referent für Wirtschaftsschulen


Hier finden Sie das Informationsangebot des VLB Bayern für die Kolleginnen und Kollegen der Wirtschaftsschulen.


Berichte aus den Wirtschaftsschulen

„Traditionsreich, innovativ und am Puls der Zeit“ 18. Bayerischer Wirtschaftsschultag in Rosenheim

„Traditionsreich, innovativ und am Puls der Zeit“ 18. Bayerischer Wirtschaftsschultag in Rosenheim

Auf große Resonanz stieß der Festakt zur Eröffnung des 18. Bayerischen Wirtschaftsschultages im Kultur- und Kongresszentrum in Rosenheim. Gastgeber waren die Privatschulen Dr. Kalscheuer in Rosenheim. Geschäftsführerin Nicole Strasser, die souverän durch das zweistündige Programm des Vormittags führte, freute sich, zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Bildung und Wirtschaft begrüßen zu dürfen. Sie bedankte sich besonders für die Unterstützung des Wirtschaftsschultages durch die Arbeitsgemeinschaft Bayerische Wirtschaftsschule (ARGE) in Zusammenarbeit mit ihren Verbänden und Vereinigungen (LEV, DBW, VBP, VLB).

Oberbürgermeister Andreas März würdigte in seinen Grußworten die praxisnahe, fundierte Ausbildung junger Menschen in den 1949 von Dr. Franz Kalscheuer gegründeten Wirtschaftsschulen in Rosenheim und Traunstein. Viele Absolventen hätten später eine beachtliche Karriere gemacht.Die Wirtschaftsschule sei mit ihrem ausgewogenen Portfolio in einer sich rasch ändernden Welt eine solide Ausgangsbasis. 

Der Vorsitzende des Verbands der bayrischen Privatschulen Bernd Dietrich bedankte sich in seiner humorvollen Rede bei den Schülerinnen und Schülern der Wirtschaftsschule Kalscheuer für ihr großes Engagement. Randolf John, Schulleiter der Wirtschaftsschule Alpenland Bad Aibling und gleichzeitig VLB-Referent für die Wirtschaftsschule erhielt von ihm anlässlich seines im Sommer bevorstehenden Ruhestand einen Bausatz für ein Klassenzimmer der gewünschten 5. Klasse Wirtschaftsschule. Zu Landrat Otto Lederer gewandt, betonte Dietrich: „Erst wenn Sie mitspielen, wird´s was“.

In der anschließenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Nino Speranza, Director Sales der Interprint GmbH Arnsberg und ehemaliger Schüler der Wirtschaftsschule Kalscheuer, wurde die große Bedeutung der Wirtschaftsschule in der bayerischen Schullandschaft deutlich. Sabine Bittner, Beratungskonrektorin der Grund- und Mittelschule Siegsdorf, unterstrich die Wichtigkeit der Information über die Wirtschaftsschule als weiterführende Schule bereits in der Grundschule.  Beratungslehrerin Gaby Bartsch wies auf die positiven Erfahrungen mit der 5. Klasse hin, in der ökonomische und digitale Bildung Teil der kaufmännischen Ausbildung seien. Im Klassenverband könnten sich Schülerinnen und Schüler viele Jahre auch gegenseitig unterstützen. 

Für Landrat Otto Lederer hat die Wirtschaftsschule eine wichtige Funktion in der bayerischen Schullandschaft und ist eine gute Vorbereitung auf die moderne Arbeitswelt. „Der Erfolg der letzten Jahrzehnte soll in die Zukunft getragen werden“, so Lederer. Landtagsabgeordneter Dr. Martin Brunnhuber, selber Berufsschullehrer, lobte den Schultyp, der in der beruflichen Bildung als wichtiges Segment seinen Platz hat. Für Raphael Geisreiter vom Wirtschaftsverband des Landkreises Traunstein stehen die Digitalisierung und die Zusammenarbeit von Schule und Betrieb im Mittelpunkt: „Es muss Spaß machen“. Ltd. Ministerialrat Maximilian Pangerl verglich die Wirtschaftsschule mit Bayern:  traditionsreich, offen für Entwicklungen und stets am Puls der Zeit.

Pankraz Männlein, Oberstudiendirektor und Vorsitzender vom Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung und vom Verband der Lehrkräfte an beruflichen Schulen,wies auf die Vorreiterrolle der Wirtschaftsschule hin. Mit ihrem praxisnahen Angebot und innovativem Konzept vermittle sie den Jugendlicheneine grundlegende Allgemeinbildung und ökonomische Grundbildung. Die Vorsitzende der Landeselternvereinigung Ilona Brunner und Elternbeiratsvorsitzende Karin Mühsam wünschtensich die freie Wahl des Schultyps nach der Grundschule. Dann wären die Schüler ab der 5. Klasse bis zum Schulabschluss zusammen: „Die Einführung der 5. Klasse wäre ein Mega-Gewinn“, so Brunner.

Ilona Brunner dankte Geschäftsführerin Nicole Strasser für die Organisation des Wirtschaftsschultages und Schulsekretärin Jessica Fütterer für ihr unermüdliches Engagement.  Einen Preis für herausragende schulische Projekte erhielten die Wirtschaftsschulen Erlangen, Nürnberg und Würzburg. Der erste Preis wurde der Wirtschaftsschule Freising für die Implementierung eines Schülerparlamentes verliehen. Das Grundverständnis für unseren Staat gerate laut Oberbürgermeister Andreas März mehr und mehr in Vergessenheit: „Der Einsatz für gelebte Demokratie ist goldmedaillenwürdig.“

In 33 hochkarätigen Workshops konnten sich die mehr als 600 Besucherinnen und Besucher am Nachmittag in den Räumen der Wirtschaftsschule Kalscheuer über den neuen Lehrplan der Wirtschaftsschul und aktuelle Trends informieren. Höhepunkt war neben Vorträgen zum Sprechtraining, zur Lesekompetenz und neuen Modulen wie „Life Skills“ eine spannende Präsentation von Spitzenkletterer Alexander Huber zu dem Thema „Wie wachse ich über mich hinaus?“

Großteils übernommen von Georg Füchtner  

Vorabend-Veranstaltung – Shell Jugendstudie 2024

Nicht zu vergessen ist auch der hochinteressante und aktuelle Vortrag inkl. Diskussion von Ingo Leven, Co-Autor der ShellJugendstudie 2024 mit dem Untertitel „Pragmatisch zwischenVerdrossenheit und gelebter Vielfalt“. Dieser Vortrag fand bereits am Vorabend statt und hatte zahlreiche Zuhörer/-innen, die sich aus den Mitgliedern des Hauptvorstands des VLB und Mitgliedern der DBW, VBP und LEV speisten. Zum Inhalt der 19. Shell Jugendstudie sei auf die Februarausgabe der Zeitschrift des Berufsverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V. (BvLB) verwiesen. Dort werden insbesondere Aussagen aus den Kapiteln 6 „Bildung und Zukunft“ und 7 „Arbeitsmarkt und Arbeitswelt im Wandel: Junge Menschen auf dem Weg in ihre berufliche Zukunft“ in den Fokus genommen. Die zahlreichen Zuhörer beendeten diesen Vorabend mit einem Abendessen und einem gemütlichen Beisammensein in einem Rosenheimer Traditionslokal.

Randolf John, VLB-Referent

Das Gruppen-Foto zeigt neben dem Rosenheimer Landrat, den VLB Referenten für Wirtschaftsschulen Randolf John, die Schulleiterin der Wirtschafsschule Dr. Kalscheuer Nicole Strasser, die Vorsitzende der Landeselternvereinigung Ilona Brunner und den VLB-Landesvorsitzenden Pankraz Männlein (von rechts).

Berufsbildungskongress 2023 Ingolstadt - Forum Wirtschaftsschule und kaufmännische Schulen

Der folgende Beitrag konzentriert sich auf die von MR Dr. Alfons Frey gemachten Ausführungen zur Bayerischen Wirtschaftsschule.

Dr. Frey schilderte die curriculare und strukturelle Doppelstrategie, um den Schülerrrückgang an den Wirtschaftsschulen aufzuhalten. Aktuell wird in beiden Strategie-Dimensionen mit viel Energie gearbeitet. Kultusministerium, ISB und die ARGE Bayerische Wirtschaftsschule (LEV, DBW, VDP,VLB) arbeiten diesbezüglich koordiniert zusammen.

Struktureller Aspekt

Der jüngst beschlossene Koalitionsvertrag zwischen CSU und den Freien Wählern beinhaltet die Erprobung der Wirtschaftsschule ab Jahrgangsstufe 5. MR Dr. Frey sprach sich deutlich dafür aus, dass die Wirtschaftsschule weiterhinberufliche Schule bleibt. Hierfür spricht aus Sicht von Dr. Frey der in der Wirtschaftsschule vorherrschende Bildungsansatz. Dieser ist im Gegensatz zu den allgemeinbildenden Schulen mit einem deutlich stärkeren Akzent auf das praxisorientierte und realitätsbezogene Lernen und Lehren ausgerichtet. Dies kommt auch durch die berufliche Lehrkraft zum Tragen.

Curricularer Aspekt

Die derartige curriculare Arbeit orientiert sich an den Megatrends sowie den damit verbundenen künftigen Berufsfeldern und -bildern. Insofern wird die Wirtschaftsschule der Zukunft breiter, d.h. technischer, digitaler sowie individueller und noch berufsbezogener aufgestellt sein. Insbesondere die Module ab der Jahrgangsstufe 9 sowie eine Fokussierung auf berufliche Praxiserfahrungen bilden diese Neuausrichtung der Wirtschaftsschule ab. 

Wirtschaftsschule als Mitglied der beruflichen Schulfamilie stärken

Darüber hinaus wird mit dem Schulversuch „Kooperation Wirtschaftsschule – Berufsschule/Berufsfachschule/Berufliche Oberschule“ (BayMBl. 2023 Nr. 479) verdeutlicht, dass die Wirtschaftsschule als Mitglied der beruflichen Schulfamiliestärker mit den anderen beruflichen Schulen durch Kooperationen verwoben wird. 

Im Rahmen des Schulversuchs, sollen Kooperationsmöglichkeiten zwischen Wirtschaftsschulen und den genannten beruflichen Schularten in folgenden drei Handlungsfeldern erprobt werden:

  • Übergangsmanagement:
    Erprobung von Übergangsprozessen, um die Erfolgsquote und die Zahl der erfolgreichen  Bildungsabschlüsse von Wirtschaftsschulschülern/-innen an anderen beruflichen Schulen zu erhöhen.
     
  • Praxisbegleitung:
    Wirtschaftsschüler/-innen können in ihrem 20-tägigem Pflichtpraktikum Schüler/-innen anderer beruflicher Schulen im Unterricht und in der Praxis begleiten (Mentorenprogramm). Auch können Wirtschaftsschüler/-innen Teile ihres Pflichtpraktikums in den Werkstätten bzw. Praxiseinrichtungen anderer Schulen erfüllen.
     
  • Lernortkooperation:
    Kooperierende Schulen entwickeln, erproben und reflektieren Möglichkeiten im Bereich der neuen Basis- und Vertiefungsmodule der Wirtschaftsschule. Zudem können insbesondere an Beruflichen Oberschulen modulare Förderangebote für Wirtschaftsschüler/-innen angeboten werden.

Die Laufzeit des Schulversuchs beginnt mit dem zweiten Schulhalbjahr 2023/24 und endet mit Ende des Schuljahres 2028/29. Ein Einstieg ist bis spätestens mit Beginn des Schuljahrs 2025/26 möglich.

Dr. Frey ermunterte die Teilnehmer des Forums, in Ruhe Kontakte zwischen den Schularten zu knüpfen und Kooperationen auszuloten. Schrittweise könnten dann kooperierende Schulen und ihre angestrebten Projekte im Kultusministerium aufgenommen und wiederum verzahnt werden.

Als besonders positiv ist hervorzuheben, dass das Kultusministerium – wie auch die neue Kultusministerin Anna Stolz in ihrer Ansprache am 18. Nov. 2023 in Ingolstadt ausführte – die Zusammenarbeit mit dem VLB schätzt und daher ein gemeinsames Agieren in bildungspolitischen Fragen/Themen gern gesehen ist.

Weiterführende Informationen

Allgemeine Information zu den Wirtschaftsschulen in Bayern können auf den Seiten des Kultusministeriums abgerufen werden.