18. Februar 2024

02/2024

Aktuelles aus dem GV

Themen:

- Duale Berufsausbildung stärken

- Attraktivität des Lehramts an beruflichen Schulen steigern

- Fachlehrkräfte in A13, UPZ senken

- BIK, BVJ: Kleinere Klassen und mehr Zeit für Förderung

- Lehrerdienstgeräte – Haftungsfragen

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
traditionell versteht sich der VLB nicht nur als Interessenvertretung der Lehrkräfte, sondern ganz wesentlich auch als Mitgestalter des beruflichen Schulwesens und der beruflichen Bildung. Dies geschieht für den Geschäftsführenden Vorstand mit zahlreichen Gesprächsrunden, unter anderem der Abt. VI „Berufliche Schulen“ im Kultusministerium, der Kultusministerin und den Fraktionen zum Jahresbeginn.

Nachdem es nach der Landtagswahl zahlreiche personelle Wechsel gab, geht es dieses Mal umso mehr darum, Informationen auszutauschen, Position zu beziehen, Problemfelder gemeinsam zu erörtern und dabei hoffentlich die ein oder andere gute Lösung für das berufliche Schulwesen in Bayern zu finden.

Dabei sind die Entschließungen und Anträge aus der letzten Delegiertenversammlung des VLB unser Leitfaden. Eine Auswahl an Themen, die aus un-serer Sicht in diesen Gesprächen wichtig werden, sei hier in aller Kürze erwähnt.

Duale Berufsausbildung stärken
Wichtig ist, die Attraktivität der dualen Berufsausbildung zu stärken. Hierfür muss die durchgängige Berufsaus- und Weiterbildung durch die DQR-Stufen 4, 5 und 6 weitergedacht und gewährleistet werden. Die berufliche Weiterbildung einschließlich möglicher Wege an die Hochschulen muss stärker mit den Angeboten an den beruflichen Schulen verzahnt werden.

Attraktivität des Lehramts an beruflichen Schulen steigern
Bis zum Jahr 2030, so die Klemm-Studie 2022, geht fast die Hälfte der Berufsschullehrkräfte in den Ruhestand. Sorge bereitet uns hierbei, dass es offensichtlich immer weniger gelingt, junge Menschen für das Lehramt an beruflichen Schulen zu begeistern. So äußert z. B. ein Großteil von Studierenden, die im Rahmen des Universitätsschulkonzepts an beruflichen Schulen betreut werden, dass sie sich nicht vorstellen können, später in den Schuldienst zu gehen. Gefragt nach den Gründen antworten sie: Die Konditionen, zu denen sie in der freien Wirtschaft anfangen könnten, seien im Hinblick auf Bezahlung, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und Urlaub deutlich attraktiver als das starre System Schule. Auch böten sich dort bessere persönliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Der Geschäftsführende Vorstand wird deswegen die VLB-Position zum Thema „Quer- und Seiteneinstieg sowie Lehrkräftenachwuchs“ aufgreifen. Kurzfristig brauchen wir ein solides Konzept zum Quer- und Seiteneinstieg, um den drohenden Lehrkräftemangel abzumildern, ohne dass die Qualität im beruflichen Schulwesen leidet. Grundsätzlich aber muss die Attraktivität des grundständigen Studiums „Lehramt an beruflichen Schulen“ sowie die Bekanntheit und das Prestige des Berufsbilds massiv gesteigert werden, um den Bedarf mittel- bis langfristig decken zu können (vgl. Entschließung 3 des Berufsbildungskongress in der letzten Ausgabe der vlb-akzente). Darüber hinaus braucht es attraktive Rahmenbedingungen, die sich unter den Schlagwörtern Entlastung und Entbürokratisierung subsumieren lassen.

Fachlehrkräfte in A13, UPZ senken
Aber auch im Hinblick auf die Fachlehrerinnen und -lehrer sind deren begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten zu beleuchten (Stichwort: A13 für alle, mindestens aber Durchlässigkeit nach oben für die Übernahme von Funktionen) sowie die mantraartig immer wieder aufkommende Forderung nach einer Absenkung der Unterrichtspflichtzeit (UPZ) auf das Niveau des „höheren“ Diensts mitzudenken. Gerade letzteres könnte dazu beitragen, Diskussionen über empfundene Ungerechtigkeiten bezüglich des Anteils von Fachtheorie und Fachpraxis zu vermeiden. Gleichzeitig wäre dies einwertvoller Beitrag zur Entbürokratisierung.

BIK, BVJ: Kleinere Klassen und mehr Zeit für Förderung
Erste Untersuchungen belegen, dass die Belastungen für die Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte nach Normalisierung der Corona-Lage mitnichten gesunken sind, sondern sich im Gegenteil verstärkt haben. Die Krankenstände der Kolleginnen und Kollegen steigen, die Krankheitsdauer nimmt zu. Die Beratungsfallzahlen bei den Schulpsychologen steigen signifikant an. Gründe hierfür: Die Herausforderungen im Unterricht sind nicht nur in BIK und BVJ, aber auch den Berufsfachschulen gestiegen. Lehrkräfte gehen inzwischen regelmäßig über ihre Belastungsgrenze. Wäre der Unterricht in BiK und BVJ durchgängig mit Teamteaching und ausreichend Anrechnungsstunden für Pädagogik- und Förderung hinterlegt, wäre dies eine spürbare Entlastung. Zudem braucht es sowohl hier als auch in allen Klassen des beruflichen Schulwesens – analog den Mittelschulen – dringend kleinere Klassen bei einem hohen Migrationsanteil. Resilienz stärken – Förderung steigern, das ist das Gebot der Stunde.

Lehrerdienstgeräte – Haftungsfragen
Wenn die Digitalisierung an den Schulen ernst gemeint ist, dann kann es nicht sein, dass weder noch Dienstherr zuständig sein wollen, bei Beschädigung oder Verlust des Lehrerdienstgerätes für die Kosten aufzukommen. Die Kolleginnen und Kollegen erwarten hier klare Antworten. Wir meinen, das Haftungsrecht ist hier eindeutig: Die betroffenen Lehrkräfte sind diesbezüglich im „Normalfall“ nicht in Regress zu nehmen.

Und was noch?
Weitere Themenfelder sind: Stellenhebungen, auskömmliche Unterrichtsversorgung, eine funktionierende (die Realität des beruflichen Schulwesens abbildende) ASV, Umsetzung des Modellversuchs 5. Jahrgangsstufe an Wirtschaftsschulen und multiprofessionelle Teams.

Wir werden berichten, wie die Gespräche verlaufen sind und hoffen auf viele positive Entscheidungen zum Wohle der Schülerinnen und Schüler, der Lehrkräfte sowie zur Stärkung des beruflichen Schulwesens.

Es grüßt sie für den Geschäftsführenden Vorstand
Klaus Janetzko

 

Mehr in der Ausgabe VLB-akzente 02/2024