Markierungspunkte

01 Nachhaltige Sicherung des dualen Systems

Der VLB steht zum dualen System in der beruflichen Erstausbildung. Es hat sich bisher sehr gut bewährt, kein anderes System der beruflichen Ausbildung in der Welt war auch nur annähernd so erfolgreich in der Verbindung von Bildungs-und Beschäftigungssystem. Die im europäischen Vergleich niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland ist sichtbares Indiz dafür.

Um das duale System auch für die Zukunft tragfähig zu halten, bedarf es einer von allen Beteiligten gemeinsam gestalteten beständigen Weiterentwicklung.

02 Ausbildung sichert der Wirtschaft die Zukunft und schafft Chancen

Ein auf die Zukunft ausgerichtetes Angebot durch Industrie, Handwerk, Dienstleistung und nicht zuletzt auch durch den schulischen Bereich ist unbedingt notwendig, um einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort Deutschland auch langfristig zu sichern. Unabhängig von der aktuellen konjunkturellen Lage erfordert Ausbildung langfristiges und kontinuierliches Handeln, das Denken in Quartalsberichten und Legislaturperioden ist verhängnisvoll und gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land.

Ausbildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sie sichert dem Einzelnen die Teilhabefähigkeit und eröffnet berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

03 Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung

Das duale System der Berufsausbildung gehört zu den herausragenden Standortvorteilen Deutschlands. Für die Absolventen der beruflichen Bildungsgänge sind attraktive Möglichkeiten der schulischen Weiterbildung und des umfassenden Aufstiegs im beruflichen Bildungsweg nötig. Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung darf von daher nicht nur bildungspolitisches Bekenntnis sein, sondern muss alltägliche, gelebte Praxis werden.

Berufliche Bildung darf sich nicht auf eine rein fachlich oder einzelbetrieblich orientierte Komponente beschränken, sondern beinhaltet ebenso Persönlichkeitsbildung und Weiterführung der Allgemeinbildung.

04 Enge Verzahnung von beruflicher Erstausbildung und Weiterbildung

Die enge Verzahnung von Erstausbildung und Weiterbildung ist bei allen Bildungsfachleuten unumstritten. Sie ermöglicht Synergien und eine effektivere Nutzung der Ausbildungsressourcen. Nur barrierefreie und variantenreiche Bildungsmöglichkeiten von der Erstausbildung bis in den tertiären Bildungsbereich hinein bieten eine vollwertige Alternative zum akademischen Bildungsweg.

Die fachliche Kompetenz der Lehrkräfte sowie die räumlichen/sächlichen Ressourcen in den beruflichen Schulen müssen verstärkt auch für die Weiterbildung genutzt werden.

05 Erhalt und bedarfsgerechter Ausbau der vielfältigen Angebote im beruflichen Schulwesen

Die Vielfalt der Angebote über das duale Ausbildungssystem hinaus ist eines der herausragenden Qualitätsmerkmale der beruflichen Bildung in Bayern. Sie sichert mehr als alles andere die Durchlässigkeit, bietet Aufstiegsmöglichkeiten und ergänzt sowohl den akademischen Bildungsweg als auch die duale Berufsausbildung mit attraktiven Alternativen.

Die einzelnen Schularten sind in ihrer Angebotsbreite zu erhalten, bedarfsgerecht auszuweiten und strukturell weiterzuentwickeln. Die personelle, räumliche und finanzielle Ausstattung muss den Aufgaben entsprechen.

06 Konsequente Förderung und Forderung der Schüler/innen

Die Schülerstruktur an berufsbildenden Schulen, insbesondere an den Berufsschulen ist hinsichtlich Vorbildung, Eignung, Befähigung, Herkunft und Alter extrem heterogen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer konsequenten Leistungsdifferenzierung.

Eine Individualisierung des Unterrichts ist sinnvoll und notwendig, aber ohne entsprechende Ressourcen nicht oder nur ansatzweise umsetzbar. Wenn die Inklusion nicht nur programmatisches Bekenntnis bleiben soll, müssen nach den gesetzlichen Vorgaben auch die dazu notwendigen Voraussetzungen rasch umgesetzt werden.

07 Stärkung der Beruflichen Bildung in Europa

Die durch den Lissabon- und Kopenhagenprozess zu schaffende Transparenz über die in den Einzelstaaten erworbenen Kompetenzen muss den jeweiligen nationalen Bildungssystemen bestmöglich gerecht werden. Dies gilt insbesondere für die im Rahmen der dualen Ausbildung an den Bildungsorten Schule und Betrieb erworbenen Befähigungsnachweise.

Gerade die berufliche Bildung muss in Zeiten transnationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit auch die interkulturelle Bildung sowie den Fremdsprachenunterricht fördern.

08 Mehr Selbstverantwortung für die Schulen und die dafür notwendigen Ressourcen

An den beruflichen Schulen sind ständige, dynamische Entwicklungsprozesse im Gange. Um diese Veränderungen meistern zu können, müssen die Schulen durch mehr Freiräume organisatorisch, personell und finanziell rascher reagieren können. Dies setzt allerdings eine verstärkte finanzielle Förderung der beruflichen Schulen voraus.

Die beruflichen Schulen brauchen mehr Selbstverantwortung und vor allem flexibler einsetzbare Ressourcen, um den sich rasch wandelnden Anforderungen gerecht werden zu können.

09 Die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte attraktiv gestalten

Der Mangel an qualifizierten Lehrkräften ist für die beruflichen Schulen in vielen Fachrichtungen seit Jahrzehnten ein Dauerzustand. Die Umstellungen durch den Bologna-Prozess haben nochmals zu einem erheblichen Rückgang der Studierendenzahlen geführt. Offensichtlich ist das Lehramt an beruflichen Schulen nicht attraktiv genug, denn für andere Schularten ist eher die Überversorgung der Regelfall. Fast alle Lehrkräfte an beruflichen Schulen sehen sich zudem mit einem enormen Fortbildungsdruck konfrontiert, um mit dem raschen technologischen und organisatorischen Wandel, z. B. der zunehmenden Digitalisierung, in der Wirtschaft Schritt halten zu können.

Eine praxisgerechte und zukunftsorientierte Berufsausbildung braucht fundiert ausgebildete und entsprechend fortgebildete Lehrkräfte aller beruflichen Fachrichtungen.

10 Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Kaum jemand verkennt, dass die Arbeit als Lehrkraft an beruflichen Schulen in besonderem Maße Anstrengungen erfordert. Dem stehen oft Arbeitsbedingungen gegenüber, die als sehr belastend erlebt werden: Personalmangel, Mehrarbeit, ständig steigender Verwaltungsaufwand, Mehrung der Zusatzaufgaben, besondere Belastung durch auffällige Schüler/innen, hoher Fortbildungsdruck, aufwendige Prüfungen – um nur einige zu nennen. Der Dienstherr muss angesichts der realen Arbeitsbedingungen Fürsorge nicht länger nur als Last und Kostenfaktor, sondern vielmehr als Motivationselement akzeptieren. Darüber hinaus muss für den gesundheitlichen Zustand unserer Kolleginnen und Kollegen erheblich mehr gesorgt werden.

Gute Arbeitsbedingungen sind der Schlüssel zu Motivation und hohen Arbeitsleistungen.

 
Übersicht zum Download:

Markierungspunkte des VLB Bayern zur Weiterentwicklung der beruflichen Bildung in Bayern (PDF)