Frühjahrsempfang
Berufliche Bildung im Gespräch
Alles neu macht bekanntlich der Mai und daher war es nur folgerichtig, dass der neugedachte Empfang des Landesverbands in diesem Monat stattfand.
Und als sie den Ort in der Einladung lasen, dachten sich einige Teilnehmer, dass dieser vielleicht ebenso bewusst gewählt war. Denn Pankraz Männlein, unser VLB-Landesvorsitzender und Bamberger Schulleiter, hatte ins „Bamberger Haus“ nach München geladen. Doch bereits beim Eintreffen im Biergarten und später im Saal war klar, dass sicher nicht (nur?) nach dem Namen ausgesucht wurde. Viel mehr war der Veranstaltungsort ideal für den Anlass, um informelle Gespräche rund um die berufliche Bildung anzuregen.
In der Vergangenheit traf sich die Verbandsspitze immer im Januar zum Neujahrsgespräch mit dem KM und zum anschließenden Empfang. Nun wurde das Gespräch in den Februar verschoben (VLB akzente berichtete.) und der informelle Abend in den Wonnemonat.
Begrüßung durch den Landesvorsitzenden
Pankraz Männlein hätte gerne die Kultusministerin Anna Stolz und den Vorsitzenden des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Dienstes, Dr. Martin Brunnhuber, sowie die Abgeordnete Nicole Bäumler und weitere begrüßt. Aus Termingründen war es leider nicht möglich. Umso mehr freute er sich, dass der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, MDir Martin Wunsch, kommen und ein Grußwort sprechen konnte. Ebenfalls aus dem KM begrüßte Männlein die Referatsleiterinnen und -leiter für berufliche Schulen mit ihrem Abteilungsleiter MDgt Dr. Robert Geiger und seinem Stellvertreter Ltd. MR Maximilian Pangerl.
„Es ist uns eine große Freude“, so Männlein weiter, „dass auch die Kirchen hier und heute vertreten sind. Stellvertretend darf ich Dr. Matthias Belafi vom Katholischen Büro in München sehr herzlich willkommen heißen.“ Weiter ging es mit den Vertreterinnen und Vertretern der Bezirksregierungen, der Dienststellen der Ministerialbeauftragten für FOSBOS, des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP), der Schulabteilungen der Landeshauptstadt München und der Stadt Nürnberg, der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, des Beirats der Akademie für Politische Bildung Tutzing sowie des Wertebündnisses Bayern. Auch vertreten waren Professorinnen und Professoren und Kolleginnen und Kollegen des Staatlichen Studienseminars für das Lehramt an beruflichen Schulen und des Staatsinstituts für die Fachlehrkräfteausbildung, Vertreterinnen und Vertreter der Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern und des Hauses der Bayerischen Landwirtschaft, des Bayerischen Beamtenbundes, der befreundeten Lehrkräfte- und Schulleitungsverbände, der Landeselternvereinigungen sowie weitere berufsbildungspolitische Akteure. Aus dem Verband kamen die VLB-Ehrenvorsitzenden, Ehrenmitglieder und die Kolleginnen und Kollegen aus den Verbandsgremien.
Herausforderungen und Chancen
In seinem Grußwort betonte Männlein, berufliche Schulen stünden mehr denn je im Spannungsfeld gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technologischer Veränderungen. Themen wie Digitalisierung, KI, Fachkräftesicherung und individuelle Bildungsbiografien stellten uns vor immer neue Herausforderungen – und eröffnen zugleich vielfältige Chancen. In diesem dynamischen Umfeld gewinne ein Begriff zunehmend an Bedeutung: Resilienz. Dazu verwies er auf den späteren Impulsvortrag von Professor Karl Wilbers.
Männlein schloss mit den Worten: „Nutzen Sie, liebe Gäste, im Anschluss bei Speis und Trank die Gelegenheit zum Austausch, zur Vernetzung und zur gemeinsamen Reflexion. Denn nur im Dialog können wir tragfähige Lösungen entwickeln und die berufliche Bildung nachhaltig stärken. Ganz im Sinne unseres Mottos ‚Berufliche Bildung im Gespräch‘.“
KM-Amtschef Wunsch
Zunächst aber leitete Männlein über zu MDir Martin Wunsch, Amtschef des KM, der ein kurzes Grußwort sprach. Dieses war geprägt von der Wertschätzung dem Verband gegenüber für die konstruktive Zusammenarbeit, was nicht selbstverständlich sei. Wunsch betonte die Gemeinsamkeiten, den Willen, die Herausforderungen in Absprache anzugehen und die berufliche Bildung in Bayern zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Außerdem dankte er für die Einladung und die damit verbundene Möglichkeit des informellen Austauschs. Zuletzt betonte er die Wichtigkeit des Themas des anschließenden Vortrags, auf den er gespannt sei.
Keynote zum Thema Resilienz
Prof. Dr. Karl Wilbers setzte in seinem Kurzvortrag Impulse, wie berufliche Schulen, die dort Lehrenden und Lernenden sowie die Ausbildungsstrukturen widerstandsfähig, zukunftsfähig und lernfähig gestaltet werden sollten. Inhaltlich verwies er auf das Gutachten des Aktionsrates Bildung – jedoch nicht auf das aktuelle, das in der Vorausgabe vorgestellt wurde. Vielmehr konzentrierte er sich auf das Gutachten von 2022, das im digitalen Zeitschriftenregal in der Ausgabe 06/2022 der VLB akzente auf Seite 19 nachgelesen werden kann. Wilbers brachte den Schwerpunkt daraus wie folgt auf den aktuellen Stand:
Stressoren und neue Krisen
Resilienz meint die Fähigkeit, disruptive und kontinuierliche Stressoren so zu verarbeiten, dass kein langfristiger Schaden genommen wird. Krisenmanagement z. B. beim Tod einer Schülerin oder eines Schülers, bei einem Amoklauf etc. habe etablierte Abläufe. Weitere Stressoren wirken dagegen schleichend. Sie machen eine generelle Anpassung des Systems notwendig, wofür Kapazitäten gefunden werden müssten.
Distanzunterricht sei eine gute Antwort auf potentielle Bedrohungslagen. Die Schulen hätten bei dieser Maßnahme viel Erfahrungen gemacht, aber diese verhalten sich wie ein Muskel: Wenn er nicht trainiert wird, wird er abgebaut. Daher sollte Distanzunterricht 1–2x pro Jahr geübt werden.
Neue, disruptive Stressoren könnten sein: der Verteidigungsfall, hybride Kriegsführung mit Überlastung von Infrastruktur, Vertrauenskrisen, Black-outs z. B. Stromausfall an zunehmend digitalisierten Schulen, Lieferstopps für kritische Ressourcen, Naturkatastrophen wie Hochwasser, Dürre und Extremwetter (daher Hitzepläne an Schulen), Ausbruchsgeschehen wie Pandemien, Cyberangriffe und viele andere Themen. Diese neuen Szenarien brauchen neue Antworten. Das koste Geld und sei mit „sicheren Aufwendungen bei unsicheren Erträgen“ verbunden. Denn obwohl der Staat sich wappnen sollte, treten diese Krisen hoffentlich nicht ein.
Institutionelles Lernen
Um Schulen an veränderte Situationen anzupassen, brauche es Schulentwicklung. Gerade in beruflichen Schulen werde viel Qualitätsmanagement praktiziert, was vor allem mit QmbS begonnen hat. Die derzeit ausgesetzte externe Evaluation sollte daher neu ausbalanciert und auf schulische Entwicklungsbedarfe fokussiert werden, ähnlich wie bei den Modusschulen. Eine „bunt besetzte“ Arbeitsgruppe leiste bei der Weiterentwicklung der externen Evaluation aktuell eine wertvolle Arbeit.
Neben auf die jeweilige Schule bezogene sollten aber auch systemweite Tests durchgeführt werden, wie sie nach dem sog. PISA-Schock eingeführt wurden. Datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung soll in den Fokus nehmen, ob Prozesse optimiert werden können.
Zuletzt verwies Wilbers auf lernprozessbegleitende Analysen. Eine erfolgreiche Antwort, die daraus hervorgegangen sei, wäre beispielsweise das Unterstützungssystem im Rahmen von „Berufssprache Deutsch“. Bei psychischen Belastungen brauche es auch individuelle Unterstützung. Das auf veränderte Bedürfnisse einzelner Schülerinnen und Schüler ausgerichtete Qualitätsmanagement sei „der dritte Strang“ institutionellen Lernens.
Fazit
Abschließend bat Wilbers die anwesenden Akteure beruflicher Bildung, die Reaktionsmöglichkeiten auf Krisen mehr in den Blick zu nehmen. Darauf sollte Qualitätsmanagement in den unterschiedlichen Formen mehr ausgerichtet sein. Mit diesem Input konnten die informellen Gespräche im Verlauf des weiteren Abends starten. VLB-Landesvorsitzender Männlein dankte dem Keynote-Speaker Prof. Wilbers herzlich, dass er die Teilnehmer an seiner „Expertise teilhaben ließ“.
Autor: Christian Kral
